Aktuell wird unter Anglern heiß diskutiert, ob und welche Fische man wieder freilassen darf und sollte.

Alle Fische aus „Tierliebe“ oder zum „Wohle der Fischbestände“ wieder schwimmen zu lassen ist dabei wohl genau so falsch, wie jeden Fisch mitzunehmen, der gerade so das Schonmaß erreicht hat. Selbstgefangener Fisch ist ökologisch gesehen weitaus sinnvoller als jedes Fischfilet aus dem Handel, egal ob MSC, Bio-Aquakultur o.ä. Und in der Regel sogar gesünder, denn nicht selten sind Meeres und Zuchfische stark mit Pestiziden belastet.

In Deutschland ist es aktuell verboten, Fische die das Mindestmaß erfüllen, wieder schwimmen zu lassen. Wer also häufig in Deutschland angeln geht, sollte die Gefriertruhe prall mit Fisch gefüllt haben… die Gewässer sind leer, aber wenigstens ist dem Gesetz genüge getan!

Seit Jahren berichten Angler über den Rückgang der Fischbestände. Schuld ist gerne mal der Kormoran, der natürlich durchaus Fisch frisst und zwar nicht immer nur kleine! Wäre der Kormoran also allein Schuld, dürfte es kein rein deutsches Problem sein. „No-Kill“-Strecken oder „C&R“-Strecken sollten einen ebenso schlechten Fischbestand haben. Das Gegenteil ist der Fall:

Solche Strecken haben fantastische Fischbestände, wie ich selbst bereits in Slowenien und Italien sowie an quasi-C&R-Gewässern hier in Süddeutschland und der Schweiz erleben durfte. Möglicherweise ist der Angler der wahre Kormoran, denn die Angelmethoden werden immer vielfältiger und ausgefeilter… während vor 30 Jahren noch kaum einer mit Wobblern und Gummifischen auf Forellen und Hechte angelten, gibt es inzwischen Köder, die auch den allerletzten Fisch „hinter dem Ofen“ vorlocken. Ansitz mit ausgefeilten Lockmitteln, Selbsthak-Montagen usw.

Grundproblem ist dabei, dass Fische sich oft nicht mehr reproduzieren können bevor sie gefangen werden, und zwar gleich aus mehreren Gründen:

  • schlechtere Laichbedinungen durch mangelnde Durchgängigkeit, Verschlammung in Staubereichen, „Renaturierungen“ (Aufweitungen) und Wasser-Erwärmung.
  • Besatz mit ortsfremden Stämmen und damit mit Fischen, deren Brut schlechte Überlebenschancen hat.
  • Besatz mit schnell gewachsenen und somit jungen Fischen, die trotz ihrer Größe noch nicht geschlechtsreif sind
  • stärkerer Befischungsdruck und Entnahme von nicht geschlechtsreifen Fischen (siehe oben)

Ich plädiere deshalb klar für eine „angepasste“ Entnahme! Bei der Donau und ihren Nebengewässern in unserer Gegend konnte ich bereits vielfach Forellen zwischen 30cm und 50cm beim Laichen beobachten. Untersuchungen, die u.a. auf besatz-fisch.de nachzulesen sind, zeigen, dass die Qualität der Eier und damit die Überlebenschance der Brut mit der Größe des Muttertiers zunimmt, bis zu einem gewissen Punkt, wo das Tier dann wieder an „Produktivität“ einbüsst. Meine langjährige Erfahrung an den Gewässern meiner Heimat zeigt mir, dass Fische um 45cm die kräftigsten, fittesten Fische mit dem höchsten „BMI“ sind, also bezogen auf ihre Länge sehr schwer sind. Die sehr seltenen Fänge von Fischen jenseits der 60cm sind oft Fische mit großen Köpfen und langem Körper. Sie sind sicher sehr alte Tiere, deren Rogen auch viele Unregelmäßigkeiten zeigt.

Aus oben genannte Gründen halte ich es für sinnvoll, bei Fische unter 45cm in unseren lokalen Gewässern genau zu überlegen, ob eine Entnahme gerechtfertigt ist, d.h. ob der Fisch zeitnah sinnvoll verwertet wird (Verzehr ist sinnvoll!). Bei sehr geringem Befischungsdruck wie es bei exklusiven Vereinsgewässern zum Teil der Fall ist, sind Entnahmen grundsätzlich unproblematisch. Die Bestände sind hier meist sehr gut. An „Tageskarten-Gewässern“ wäre es aber durchaus sinnvoll, das gesetzliche Schonmaß von 28cm deutlich anzuheben, denn ein solcher Fisch hat noch nicht ein einziges Mal abgelaicht. Die erlaubten Angelmethoden sollten so angepasst werden, dass ein „Verangeln“ eines kleinen Fisches ausgeschlossen oder zumindest unwahrscheinlich ist. Als schonende Angelmethoden in diesem Sinne darf man das Spinnfischen mit Einzelhaken und das Fliegenfischen bezeichnen. Ansitzangeln mit Wurm, Maden und Teig gehört NICHT dazu.